Neulich bekam ich von einer Bekannten den Tipp, Reckless zu lesen. Da ich die Bücher von Cornelia Funke liebe und meine Bekannte und ich einen sehr ähnlichen Lese-Geschmack haben, hab ich es bei der nächsten Gelegenheit mitgenommen und umgehend verschlungen.
Reckless passt im Funke-Universum am ehesten zu den Tintenherz-Büchern. Es spielt in einer ähnlich magischen Welt, die für mein Empfinden aber noch düsterer ist.
Jacob und Will Reckless sind Brüder. Als der Vater spurlos verschwindet, verbietet die Mutter den Jungen, sein Arbeitszimmer zu betreten, aber der zwölfjährige Jacob setzt sich heimlich nachts über das Verbot hinweg. Eines Tages entschlüsselt er das Rätsel des alten, halb blinden Spiegels, der an der Wand hängt, und betritt die Welt hinter dem Spiegel.
Sorgsam hütet er sein Geheimnis und bleibt immer länger weg, bis eines Tages, zwölf Jahre später, sein Bruder ihm auf die Schliche kommt und ihm folgt. Bei einem Angriff wird Will verletzt, von einem Goyl, einem Wesen, das menschlich ist bis auf die steinerne Haut und den unlöschbaren Hass im Herzen. In Wills Haut wächst nach und nach der Stein, und Jacob beginnt einen Wettlauf mit der Zeit, um seinen Bruder zu retten.
Auch Wills Freundin Clara gerät hinter den Spiegel, und gemeinsam mit Fuchs, einer Gestaltwandlerin, beginnen sie ihren langen Weg. Dabei begegnen sie den Alptraumhaften Abbildern vieler Grimm'scher Märchen, die dem Dornröschenschloss mitsamt Skeletten in den Hecken und mumifizierter Prinzessin, sie verstecken sich vor etwas noch viel Schrecklicheren im verwaisten Häuschen einer Knusperhexe und müssen sich vor den Goyl und den Menschen verstecken, denn die einen wollen Will für sich, die anderen wollen ihn töten.
Die Welt entspricht in etwa unserer im späten 18. Jahrhundert, es gibt Eisenbahnen, aber noch keine Autos, hier uns da entstehen Fabriken, aber Mythen und Magie sind ebenso lebendig wie Technik und Fortschritt.
Es gibt Feen und Einhörner, einen Goldbaum, das Tischleindeckdich und den Knüppelausdemsack, Goldene Haare und ein Taschentuch, aus dem Goldtaler purzeln, und doch ist vieles zugleich bekannt und von Cornelia Funke doch in einen neuen, anderen und teils düsteren Zusammenhang gesetzt. Auch die Grenzen von Gut und Böse sind nicht so klar gezogen wie es oft in Kinder- und Jugendbüchern der Fall ist, es ist vielmehr so, dass beide Völker sich als alleinige Herrscher der Welt sehen wollen und sich gegenseitig auszurotten versuchen, ohne dass man als Leser sagen kann, wer denn nun im Recht ist.
Gerade dieser Aspekt hat mir sehr gut gefallen, denn auch wenn die Goyl grausam sind, sind die Menschen es hier nicht weniger, und weder der Steinerne König Kami'en noch die Kaiserin der Menschen sind eindimensional in ihrem Denken und Handeln. Ein Buch, das in einer anderen Welt spielt als der unseren und doch unsere so gut widerspiegelt.
Am Ende ist das Abenteuer bestanden und ein neues vorbereitet, und ich freue mich jetzt schon auf den zweiten Teil, der hoffentlich ähnlich spannend und vielschichtig sein wird. Es gibt noch so vieles zu tun und zu entdecken: Jacob ist noch immer nicht seinem Vater begegnet, er muss den Fluch der Fee, der sich am Ende gegen ihn wendet, abwenden, und viele, viele Märchenelemente warten noch auf ihren Auftritt.
Unbedingt lesenswert und sicher nichts für Kinder unter 10-12 Jahren, je nachdem, wie hartgesotten sie sind.
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Donnerstag, Februar 03, 2011
Montag, Oktober 20, 2008
Rezension Drachenläufer
Natürlich habe ich von diesem Buch gehört, wusste, dass es verfilmt wurde und ewig lange auf den Bestsellerlisten stand. Eigentlich eher ein Grund, ein Buch nicht zu lesen. Andererseits hat es meinem Vater gefallen, und der ist meistens ein Garant für gute Literatur, haben wir doch einen ähnlichen Buchgeschmack.
Also sprang es in meinen Einkaufskorb, als ich vor einigen Monaten mal wieder bei Weltbild stöberte, und nun endlich bin ich dazu gekommen, es zu lesen.
Khaled Hosseini beschreibt eine Kindheit im Afghanistan der 60er Jahre, und man spürt, wie lebensfroh die Menschen damals waren, wie offenherzig und modern. Die Kinder wachsen sehr frei auf, Frauen dürfen selbstverständlich Berufen nachgehen und unverschleiert auf die Straße, alles in allem wirkt es wie eine orientalische Variante meiner eigenen Kindheit - frei und unbeschwert.
Amir ist der Sohn eines reichen, einflussreichen Mannes. Seine Mutter starb kurz nach seiner Geburt, so dass er in einer Männerwelt groß wird, denn auch der Diener seines Vaters ist alleinerziehender Vater, seine Frau verließ ihn quasi aus dem Kindbett heraus. Die beiden Jungs verbringen ihre Zeit miteinander, spielen auf den Straßen Kabuls und lassen gemeinsam Drachen steigen, was in Kabul ein Straßenfest ist, bei dem es darum geht, die Schnur der anderen Drachen zu schneiden und den eigenen Drachen am längsten am Himmel zu halten, wozu die Schnüre mit Leim und Glassplittern präpariert werden. Aber natürlich ist das Leben nicht immer so einfach, denn es gefällt manchen nicht, dass Amir sich mit einem Hazara auf eine Stufe stellt, dass er seinen Diener - denn das ist Hassans Funktion im Haushalt - als einen Freund behandelt. Amir weist dies weit von sich und begreift erst, wie wertvoll diese Freundschaft war, als er Hassan verrät.
Gut zwei Jahrzehnte später, als nichts mehr ist, wie es war und Afghanistan im Krieg zerstört wird, kehrt Amir aus den USA zurück, um seine Schuld zu sühnen.
Das Ende ist nicht kitschig-zuckrig, wie es in einem amerikanischen Roman vermutlich der Fall wäre, aber es ist auch nicht hoffnungslos. Es bleibt vieles offen, dennoch sind alle wichtigen Fäden zusammengeführt, und neben einer verschlungenen Familiengeschichte hat man noch sehr eindrucksvollen Einblick in die Geschichte eines Landes erhalten, das man bisher so gut wie nur aus den Katastrophenmeldungen der Nachrichten kannte.
Mich hat dieser Roman stark berührt und ich lege ihn jedem ans Herz, der gerne in andere Kulturen hineinschnuppert und Bücher mag, die spannend und verschlungen geschrieben sind, ohne langatmig oder ermüdend zu sein.
Khaled Hosseini: Drachenläufer
Berliner Taaschenbuch Verlag
ISBN: 978-3-8333-0149-0
€ 10,50 brutto
Also sprang es in meinen Einkaufskorb, als ich vor einigen Monaten mal wieder bei Weltbild stöberte, und nun endlich bin ich dazu gekommen, es zu lesen.
Khaled Hosseini beschreibt eine Kindheit im Afghanistan der 60er Jahre, und man spürt, wie lebensfroh die Menschen damals waren, wie offenherzig und modern. Die Kinder wachsen sehr frei auf, Frauen dürfen selbstverständlich Berufen nachgehen und unverschleiert auf die Straße, alles in allem wirkt es wie eine orientalische Variante meiner eigenen Kindheit - frei und unbeschwert.
Amir ist der Sohn eines reichen, einflussreichen Mannes. Seine Mutter starb kurz nach seiner Geburt, so dass er in einer Männerwelt groß wird, denn auch der Diener seines Vaters ist alleinerziehender Vater, seine Frau verließ ihn quasi aus dem Kindbett heraus. Die beiden Jungs verbringen ihre Zeit miteinander, spielen auf den Straßen Kabuls und lassen gemeinsam Drachen steigen, was in Kabul ein Straßenfest ist, bei dem es darum geht, die Schnur der anderen Drachen zu schneiden und den eigenen Drachen am längsten am Himmel zu halten, wozu die Schnüre mit Leim und Glassplittern präpariert werden. Aber natürlich ist das Leben nicht immer so einfach, denn es gefällt manchen nicht, dass Amir sich mit einem Hazara auf eine Stufe stellt, dass er seinen Diener - denn das ist Hassans Funktion im Haushalt - als einen Freund behandelt. Amir weist dies weit von sich und begreift erst, wie wertvoll diese Freundschaft war, als er Hassan verrät.
Gut zwei Jahrzehnte später, als nichts mehr ist, wie es war und Afghanistan im Krieg zerstört wird, kehrt Amir aus den USA zurück, um seine Schuld zu sühnen.
Das Ende ist nicht kitschig-zuckrig, wie es in einem amerikanischen Roman vermutlich der Fall wäre, aber es ist auch nicht hoffnungslos. Es bleibt vieles offen, dennoch sind alle wichtigen Fäden zusammengeführt, und neben einer verschlungenen Familiengeschichte hat man noch sehr eindrucksvollen Einblick in die Geschichte eines Landes erhalten, das man bisher so gut wie nur aus den Katastrophenmeldungen der Nachrichten kannte.
Mich hat dieser Roman stark berührt und ich lege ihn jedem ans Herz, der gerne in andere Kulturen hineinschnuppert und Bücher mag, die spannend und verschlungen geschrieben sind, ohne langatmig oder ermüdend zu sein.
Khaled Hosseini: Drachenläufer
Berliner Taaschenbuch Verlag
ISBN: 978-3-8333-0149-0
€ 10,50 brutto
Donnerstag, März 20, 2008
Rezension Sputnik Sweetheart
Mal wieder ein Murakami, der sich in mein Reisegepäck verirrt hatte und nun endlich ausgelesen wurde. Man kommt im Urlaub ja zu nichts. ;-)
Wie immer habe ich bei der Lektüre von Murakamis Romanen das Gefühl, einem Film von David Lynch zuzuschauen, nur dass er in meinem Kopf läuft.
Der Erzähler berichtet von seiner besten Freundin Surime, die sich in eine andere Frau verliebt, für diese arbeitet und mit ihr eine Europareise antritt. Hier verschwindet Surime, und Miu bittet den Erzähler um Hilfe.
Nach und nach erfährt er Mius beklemmendes Geheimnis und spürt immer mehr, wie sie die Grenzen der Realität verschieben. Am Ende scheint er wieder in der echten Welt angekommen zu sein und Surime scheint für immer verschollen zu sein. Doch Murakami wäre nicht der, der er ist, wenn nicht auch dies noch wieder in Frage gestellt würde. Beides.
Eines Tages werde ich auch noch herausfinden, was das immer wiederkehrende Motiv der Katzen in seinen Romanen für eine Bedeutung hat. :-)
Alles in allem ein Roman, den ich sehr gerne gelesen habe, gerade weil am Ende nicht alles klar ist, man aber trotzdem nicht unbefriedigt zurück bleibt.
Haruki Murakami: Sputnik Sweetheart
btb
ISBN: 3-442-73154-2
€ 8,50
Wie immer habe ich bei der Lektüre von Murakamis Romanen das Gefühl, einem Film von David Lynch zuzuschauen, nur dass er in meinem Kopf läuft.
Der Erzähler berichtet von seiner besten Freundin Surime, die sich in eine andere Frau verliebt, für diese arbeitet und mit ihr eine Europareise antritt. Hier verschwindet Surime, und Miu bittet den Erzähler um Hilfe.
Nach und nach erfährt er Mius beklemmendes Geheimnis und spürt immer mehr, wie sie die Grenzen der Realität verschieben. Am Ende scheint er wieder in der echten Welt angekommen zu sein und Surime scheint für immer verschollen zu sein. Doch Murakami wäre nicht der, der er ist, wenn nicht auch dies noch wieder in Frage gestellt würde. Beides.
Eines Tages werde ich auch noch herausfinden, was das immer wiederkehrende Motiv der Katzen in seinen Romanen für eine Bedeutung hat. :-)
Alles in allem ein Roman, den ich sehr gerne gelesen habe, gerade weil am Ende nicht alles klar ist, man aber trotzdem nicht unbefriedigt zurück bleibt.
Haruki Murakami: Sputnik Sweetheart
btb
ISBN: 3-442-73154-2
€ 8,50
Freitag, März 14, 2008
Rezension Auf einen Schlag
Der Debutroman von Florian Tietgen lässt sich nicht so leicht in eine Kategorie schieben. Er ist Jugendroman, philosophisch-esoterisch-religiöse Weltbetrachtung und Lebensberatung in einem, was das Buch durchaus reizvoll macht.
Pavle ist 15 Jahre alt und auf dem Weg, Profifußballer zu werden, als ihn ein Schlaganfall ans jähe Ende seiner Träume bringt.
Benjamin, ebenfalls 15, bekommt seinen ersten Kuss, radelt euphorisch nach Hause und bekommt etwas ins Auge. Nachdem sich der Schmerz gelegt hat, bemerkt er eine enorm gesteigerte Sehkraft an sich. In der Nacht stirbt sein Körper, seine Seele jedoch lebt als eine Art Engel in Form eines Adlers weiter.
Die Schicksale der beiden Jungen sind eng verknüpft, denn Benjamins Aufgabe ist es, Pavle seinen Lebenswillen zurückzugeben und dessen schizophrene Mutter aus ihrer eigenen Welt zurückzuholen, in der sie die Rote Zora ist und jeder Mensch ihrer Umgebung eine Figur des gleichnamigen Romans von Kurt Held.
Beide Jungen fühlen sich hoffnungslos überfordert und sie müssen einen langen Weg gehen, bis sie ihre Aufgaben meistern. Dabei sind die Grenzen von Phantasie und Wirklichkeit, Märchen, Traum und philosophischem Gedankenspiel fließend. Der Roman wird getragen von der Botschaft, nie den Lebensmut zu verlieren und auch an das Unmögliche zu glauben.
An manchen Stellen hätte ich mir mehr Detailreichtum gewünscht, einiges ging zu schnell, nachdem es zunächst unmöglich erschien, aber alles in allem gelingt es Florian Tietgen, Spiritualität und Rationalität auf eine unaufdringliche Art und Weise zu verknüpfen. Das Buch ist spannend bis zur letzten Seite und auch Erwachsenen zu empfehlen.
Florian Tietgen: Auf einen Schlag
Driediger Verlag
199 Seiten
€ 7,95
Pavle ist 15 Jahre alt und auf dem Weg, Profifußballer zu werden, als ihn ein Schlaganfall ans jähe Ende seiner Träume bringt.
Benjamin, ebenfalls 15, bekommt seinen ersten Kuss, radelt euphorisch nach Hause und bekommt etwas ins Auge. Nachdem sich der Schmerz gelegt hat, bemerkt er eine enorm gesteigerte Sehkraft an sich. In der Nacht stirbt sein Körper, seine Seele jedoch lebt als eine Art Engel in Form eines Adlers weiter.
Die Schicksale der beiden Jungen sind eng verknüpft, denn Benjamins Aufgabe ist es, Pavle seinen Lebenswillen zurückzugeben und dessen schizophrene Mutter aus ihrer eigenen Welt zurückzuholen, in der sie die Rote Zora ist und jeder Mensch ihrer Umgebung eine Figur des gleichnamigen Romans von Kurt Held.
Beide Jungen fühlen sich hoffnungslos überfordert und sie müssen einen langen Weg gehen, bis sie ihre Aufgaben meistern. Dabei sind die Grenzen von Phantasie und Wirklichkeit, Märchen, Traum und philosophischem Gedankenspiel fließend. Der Roman wird getragen von der Botschaft, nie den Lebensmut zu verlieren und auch an das Unmögliche zu glauben.
An manchen Stellen hätte ich mir mehr Detailreichtum gewünscht, einiges ging zu schnell, nachdem es zunächst unmöglich erschien, aber alles in allem gelingt es Florian Tietgen, Spiritualität und Rationalität auf eine unaufdringliche Art und Weise zu verknüpfen. Das Buch ist spannend bis zur letzten Seite und auch Erwachsenen zu empfehlen.
Florian Tietgen: Auf einen Schlag
Driediger Verlag
199 Seiten
€ 7,95
Samstag, Februar 02, 2008
Rezension Das einzige Kind und Allein durch die Wildnis
Ich baue gerade meinen Mount to be read ein wenig ab. Trotzdem sind da noch locker 60, 70 Bücher allein im BookCrossing-Regal, die darauf warten, von mir gelesen zu werden. *ächz*
Das einzige Kind von Anne Holt ist ein norwegischer Krimi.
Olaf ist 12 Jahre alt und kein einfaches Kind. Seine Mutter liebt ihn, kommt aber letztendlich nicht mehr mit ihm zurecht. Schließlich kommt er ins Haus Sonnenschein, ein Kinderheim in Oslo. Hier herschen strenge Regeln, etwas, das seine Mutter ihm nicht geben konnte. Olaf gefällt es hier nicht, und er droht damit, abzuhauen. Er droht auch, die Heimleiterin umzubringen.
Eines Nachts wird die Leiterin tot in ihrem Büro gefunden und Olaf ist verschwunden.
Anne Holt gelingt es, die verschiedenen Personen der Geschichte authentisch wirken zu lassen, und mehr als einer hatte ein Motiv für den Mord. Gleichzeitig beobachtet man Olaf auf seiner Flucht sowie die verschiedenen Erzieher des Heimes, man erfährt von einer Affäre der Heimleiterin und wird bis zur letzten Seite immer wieder auf neue Fährten geleitet.
Das Buch ist spannend, ein großartiges Psychogramm und ein verwickelter Krimi in einem, und ich habe es ungerne aus der Hand gelegt, bevor ich endlich fertig war.
Fazit: Ein gelungener Krimi, der für Bett, Badewanne, Zugfahrten und gemütliche Sofanachmittage gleichermaßen geeignet ist.
Anne Holt: Das einzige Kind
ISBN: 3-492-23079-2
Piper
296 Seiten
Allein durch die Wildnis von Bernard Clavel spielt in Canada. Es handelt von zwei Indianern, die seit ihrer Kindheit befreundet sind. Sie leben mit ihren Frauen in einem modernen Dorf mit Fernseher, Strom und Supermarkt, aber im Winter zieht es sie in die Weite der Taiga zur Jagd. Zum einen wegen der Fangprämie, zum anderen aber auch, weil sie sich so ihren Ahnen und der Lebensart ihres Volkes verbunden fühlen.
Ihre Reise führt sie tief in die Taiga, der Winter ist hart und es gibt wenig Wild. Als ein Carcajou (Vielfraß) auftaucht und sowohl ihre Beute aus den Fallen raubt als auch einen der Hunde tötet, macht sich Waboos auf den Weg, das Tier zu töten, während sein kranker Freund und die beiden Frauen im Wigwam zurückbleiben.
Die Reise steht gar nicht so sehr im Mittelpunkt, wie der Klappentext es einen glauben macht, vielmehr stehen die Gespräche der vier über die Veränderungen im Leben der Indianer an erster Stelle, sowie die Landschafts- und Naturbeschreibungen und die Veränderungen, die durch die Weißen herbeigeführt wurden.
Das Buch hat mir an sich gut gefallen, dass es jedoch von einem Franzosen geschrieben wurde gibt dem Buch einen moralischen Beigeschmack, der mir etwas seltsam erschien.
Fazit: Ein kurzer Einblick in das Leben der kanadischen Indianer, ein Stimmungsbild, das sich schnell liest. Kein Buch, das man gelesen haben muss, aber auch nichts, das man gelangweilt weglegt. Ebenfalls gut für Bett, Sofa oder Badewanne.
Bernard Clavel: Allein durch die Wildnis
ISBN: 3-442-72521-6
btb
152 Seiten
Das einzige Kind von Anne Holt ist ein norwegischer Krimi.
Olaf ist 12 Jahre alt und kein einfaches Kind. Seine Mutter liebt ihn, kommt aber letztendlich nicht mehr mit ihm zurecht. Schließlich kommt er ins Haus Sonnenschein, ein Kinderheim in Oslo. Hier herschen strenge Regeln, etwas, das seine Mutter ihm nicht geben konnte. Olaf gefällt es hier nicht, und er droht damit, abzuhauen. Er droht auch, die Heimleiterin umzubringen.
Eines Nachts wird die Leiterin tot in ihrem Büro gefunden und Olaf ist verschwunden.
Anne Holt gelingt es, die verschiedenen Personen der Geschichte authentisch wirken zu lassen, und mehr als einer hatte ein Motiv für den Mord. Gleichzeitig beobachtet man Olaf auf seiner Flucht sowie die verschiedenen Erzieher des Heimes, man erfährt von einer Affäre der Heimleiterin und wird bis zur letzten Seite immer wieder auf neue Fährten geleitet.
Das Buch ist spannend, ein großartiges Psychogramm und ein verwickelter Krimi in einem, und ich habe es ungerne aus der Hand gelegt, bevor ich endlich fertig war.
Fazit: Ein gelungener Krimi, der für Bett, Badewanne, Zugfahrten und gemütliche Sofanachmittage gleichermaßen geeignet ist.
Anne Holt: Das einzige Kind
ISBN: 3-492-23079-2
Piper
296 Seiten
Allein durch die Wildnis von Bernard Clavel spielt in Canada. Es handelt von zwei Indianern, die seit ihrer Kindheit befreundet sind. Sie leben mit ihren Frauen in einem modernen Dorf mit Fernseher, Strom und Supermarkt, aber im Winter zieht es sie in die Weite der Taiga zur Jagd. Zum einen wegen der Fangprämie, zum anderen aber auch, weil sie sich so ihren Ahnen und der Lebensart ihres Volkes verbunden fühlen.
Ihre Reise führt sie tief in die Taiga, der Winter ist hart und es gibt wenig Wild. Als ein Carcajou (Vielfraß) auftaucht und sowohl ihre Beute aus den Fallen raubt als auch einen der Hunde tötet, macht sich Waboos auf den Weg, das Tier zu töten, während sein kranker Freund und die beiden Frauen im Wigwam zurückbleiben.
Die Reise steht gar nicht so sehr im Mittelpunkt, wie der Klappentext es einen glauben macht, vielmehr stehen die Gespräche der vier über die Veränderungen im Leben der Indianer an erster Stelle, sowie die Landschafts- und Naturbeschreibungen und die Veränderungen, die durch die Weißen herbeigeführt wurden.
Das Buch hat mir an sich gut gefallen, dass es jedoch von einem Franzosen geschrieben wurde gibt dem Buch einen moralischen Beigeschmack, der mir etwas seltsam erschien.
Fazit: Ein kurzer Einblick in das Leben der kanadischen Indianer, ein Stimmungsbild, das sich schnell liest. Kein Buch, das man gelesen haben muss, aber auch nichts, das man gelangweilt weglegt. Ebenfalls gut für Bett, Sofa oder Badewanne.
Bernard Clavel: Allein durch die Wildnis
ISBN: 3-442-72521-6
btb
152 Seiten
Montag, Januar 07, 2008
Rezension Die Vermessung der Welt
Glücklicherweise hatte meine Mutter vergessen, dass mein Vater das Buch schon hat, so hab ich es zu Weihnachten bekommen. Lesen wollte ich es eh schon lange.
Die Lebensgeschichten von Gauß und Humboldt werden in diesem Roman so genial verwoben, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Daniel Kehlmann bedient sich einer dezent ironischen und sehr präzisen Sprache, hier und da voller subtilem Humor, und er schafft es, die beiden Personen der Vergangenheit zu entreißen und äußerst menschlich mit Stärken und Schwächen darzustellen.
Während der eine sich immerzu wundert, dass alle anderen Menschen so entsetzlich langsam denken und er mit seiner Sicht auf die Welt diese durch mathematische und physikalische Erkenntnisse in ganz neue Bahnen lenkt, erobert der andere Südamerika gemeinsam mit seinem Assistenten, den er geschickt vom Ruhm fernzuhalten vermag, klettert in Höhlen und auf Berge, findet eine Verbindung zwischen Orinoco und Amazonas und begegnet den unterschiedlichsten und teilweise sehr mysteriösen Menschen.
Wenn man das Buch zur Seite legt, scheint man aus einer längst vergangenen Zeit wieder aufzutauchen, und man fragt sich, warum es nicht noch ein paar hundert Seiten dicker hätte sein können.
Fazit: Absolut empfehlenswert, obwohl es in der Presse so hochgelobt wurde und ich dann ja eher skeptisch bin.
Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt
Rowohlt
ISBN: 978-3-498-03528-0
Die Lebensgeschichten von Gauß und Humboldt werden in diesem Roman so genial verwoben, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Daniel Kehlmann bedient sich einer dezent ironischen und sehr präzisen Sprache, hier und da voller subtilem Humor, und er schafft es, die beiden Personen der Vergangenheit zu entreißen und äußerst menschlich mit Stärken und Schwächen darzustellen.
Während der eine sich immerzu wundert, dass alle anderen Menschen so entsetzlich langsam denken und er mit seiner Sicht auf die Welt diese durch mathematische und physikalische Erkenntnisse in ganz neue Bahnen lenkt, erobert der andere Südamerika gemeinsam mit seinem Assistenten, den er geschickt vom Ruhm fernzuhalten vermag, klettert in Höhlen und auf Berge, findet eine Verbindung zwischen Orinoco und Amazonas und begegnet den unterschiedlichsten und teilweise sehr mysteriösen Menschen.
Wenn man das Buch zur Seite legt, scheint man aus einer längst vergangenen Zeit wieder aufzutauchen, und man fragt sich, warum es nicht noch ein paar hundert Seiten dicker hätte sein können.
Fazit: Absolut empfehlenswert, obwohl es in der Presse so hochgelobt wurde und ich dann ja eher skeptisch bin.
Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt
Rowohlt
ISBN: 978-3-498-03528-0
Sonntag, Januar 06, 2008
Rezension Pandaimonion - Die Formel des Lebens
Durch eine Bekannte, die ebenfalls schreibt, nur viel mehr, strukturierter und professioneller als ich (sie hat bereits drei Romane fertig gestellt, wenn ich es recht behalten habe, hat einen Literaturagenten und arbeitet gerade auf ihre erste Romanveröffentlichung hin), bin ich an Pandaimonion - Die Formel des Lebens geraten, denn sie hat eine der enthaltenen Geschichten verfasst.
Einerseits ist das Buch eine Anthologie, andererseits zieht sich ein roter Faden durch alle Geschichten. Das macht es zu etwas Besonderem, denn man hat dadurch eine Zwischenform zwischen Roman und Kurzgeschichtensammlung in der Hand.
Es geht um die Familie Draganov, welche im 18. Jh. zufällig auf eine Formel stößt, welche Leben erschaffen und Tote wiedererwecken kann.
In den einzelnen Episoden liegt der Fokus immer auf der Person, die gerade aktuell im Besitz der Formel ist, so dass man über einen Zeitraum von 200 Jahren die Formel und die Folgen ihrer Anwendung sowie die Familiengeschichte verfolgt. Dies ist durch die verschiedenen Autoren sehr gut gelöst, es werden immer wieder Figuren und Begebenheiten aus vorigen Episoden aufgegriffen, und es scheint, als habe ein sehr guter Austausch zwischen den einzelnen Autoren stattgefunden, da sonst eine solche Verwobenheit kaum möglich wäre.
Manche der Geschichten haben mir sehr gut gefallen, andere wirkten auf mich leider etwas unlogisch und schlecht durchdacht. Auch hat hier und da das Lektorat versagt. Besonders fiel mir auf, dass der Familienname in allen Geschichten bis auf einer Draganov geschrieben wurde, der Ausreißer schreibt plötzlich Draganoff. Lautlich fast identisch, geschrieben jedoch ein so starker Stolperstein, dass ich mich frage, wie dieser vor Drucklegung nicht auffallen konnte.
Da ich daran gewöhnt bin, in Anthologien manche Geschichten mehr, andere weniger und manche gar nicht zu mögen, kann ich hier sagen: Alles in allem eine solide Geschichte, trotz der Wiederholung des Themas kommen immer wieder neue Varianten auf, so dass ich das Buch gerne von Anfang bis Ende gelesen habe.
Für alle, die auch mal wissen wollen, wie eine perfekte Schauspielerin damit zurecht kommt, nicht ganz von dieser Welt zu sein, wie eine Artistin mit den täglichen Verbrennungen eines Feuerreifens umgeht und was ein schwuler Offizier im Dritten Reich unternimmt, um nicht aufzufallen, empfehle ich diese Lektüre durchaus.
Pandaimonion - Die Formel des Lebens
Wurdack Verlag
ISBN: 3-938065-27-3
Preis: € 10,95 brutto
Einerseits ist das Buch eine Anthologie, andererseits zieht sich ein roter Faden durch alle Geschichten. Das macht es zu etwas Besonderem, denn man hat dadurch eine Zwischenform zwischen Roman und Kurzgeschichtensammlung in der Hand.
Es geht um die Familie Draganov, welche im 18. Jh. zufällig auf eine Formel stößt, welche Leben erschaffen und Tote wiedererwecken kann.
In den einzelnen Episoden liegt der Fokus immer auf der Person, die gerade aktuell im Besitz der Formel ist, so dass man über einen Zeitraum von 200 Jahren die Formel und die Folgen ihrer Anwendung sowie die Familiengeschichte verfolgt. Dies ist durch die verschiedenen Autoren sehr gut gelöst, es werden immer wieder Figuren und Begebenheiten aus vorigen Episoden aufgegriffen, und es scheint, als habe ein sehr guter Austausch zwischen den einzelnen Autoren stattgefunden, da sonst eine solche Verwobenheit kaum möglich wäre.
Manche der Geschichten haben mir sehr gut gefallen, andere wirkten auf mich leider etwas unlogisch und schlecht durchdacht. Auch hat hier und da das Lektorat versagt. Besonders fiel mir auf, dass der Familienname in allen Geschichten bis auf einer Draganov geschrieben wurde, der Ausreißer schreibt plötzlich Draganoff. Lautlich fast identisch, geschrieben jedoch ein so starker Stolperstein, dass ich mich frage, wie dieser vor Drucklegung nicht auffallen konnte.
Da ich daran gewöhnt bin, in Anthologien manche Geschichten mehr, andere weniger und manche gar nicht zu mögen, kann ich hier sagen: Alles in allem eine solide Geschichte, trotz der Wiederholung des Themas kommen immer wieder neue Varianten auf, so dass ich das Buch gerne von Anfang bis Ende gelesen habe.
Für alle, die auch mal wissen wollen, wie eine perfekte Schauspielerin damit zurecht kommt, nicht ganz von dieser Welt zu sein, wie eine Artistin mit den täglichen Verbrennungen eines Feuerreifens umgeht und was ein schwuler Offizier im Dritten Reich unternimmt, um nicht aufzufallen, empfehle ich diese Lektüre durchaus.
Pandaimonion - Die Formel des Lebens
Wurdack Verlag
ISBN: 3-938065-27-3
Preis: € 10,95 brutto
Freitag, September 28, 2007
Aus-Lese
Ich habe im Urlaub in Schweden diverse Bücher gelesen und wollte schon längst meine Rezensionen hier einstellen.
Da meine Firma gerade umzieht und wir dementsprechend heute frei haben, hab ich endlich mal ein wenig Zeit.
The Legend von Kathleen Givens
Das Buch verspricht eine geniale Verbindung von Geschichte und Romantik. Es geht um die Kampfe der Williamites gegen die Jacobites, um die Legende eines Highland-Clans und die Liebe zwischen einem Highlander und einer Lady aus dem Lowlands. Alles in allem genug Stoff für einen guten historischen Roman mit einer Prise Sex und viel Romantik.
Leider hat die Autorin ein paar der einfachsten Grundregeln des Schreibens nicht beachtet. So wird alles mit Adjektiven der Superlative zugekleistert, der Held ist groß, muskulös, sehr gut aussehend und natürlich immer heldenhaft, die Widersacher sind böse in jeder Hinsicht und alles ist romantisch überzuckert. Die Gefühle der Figuren bleiben oberflächlich, Konflikte werden sehr schnell aufgelöst und spannenden Szenen wird ihr Potential genommen, indem man die Auflösung schon mal vorausschickt.
Alles in allem eine grauenhaft vorhersehbare Geschichte, deren Überflüssigkeit auch nicht mehr vom schottischen Lokalkolorit herausgerissen werden kann - so ziemlich der einzige Grund, warum ich es überhaupt zuende gelesen habe.
Fazit: Ein Buch, das man nicht gelesen haben muss.
Wertung: *
Ich bin dann mal weg von Hape Kerkeling
Hape wandert und wandert und wandert auf dem Jakobsweg und hält sich dabei für immens witzig. Zum Ausdruck bringt er dies vor allem durch eine Überzahl an Ausrufezeichen, die wie mit einem Salzstreuer in den Text verteilt wurden, und natürlich durch jede Menge recht zweifelhaften Hape-Humors, der oft mit dem "Du musst jetzt aber lachen"-Holzhammer daherkommt. Zum einen lache ich ungern auf Kommando, zum anderne finde ich, dass das Thema des Buches nicht unbedingt voller Pointen stecken muss.
Obwohl er immer wieder betont, wie sehr seine Füße schmerzen und wie unglaublich anstrengend der Weg ist, vermittelt das Buch diesen Eindruck nicht wirklich und ich vermute, dass dies am allgemein eher flapsigen Tonfall liegt.
Hier und da begegnen einem sympathische Mitreisende und vor dem geistigen Auge entstehen Bilder, die Fernweh wecken - daran sind sicherlich nicht zuletzt auch die sparsam eingestreuten aber dafür gut gewählten Fotos Schuld.
Zum Ende hin nehmen die Ausrufezeichen ab und der ernsthafte Tonfall zu, so dass ich unterm Strich sagen kann: Gern gelesen, auch wenn das Buch nicht hält, was Freunde und Pressestimmen versprachen.
Fazit: Nette Reiselektüre, etwas zu hochgelobt.
Wertung: ***
Die Selbstmordschwestern von Jeffrey Eugenides
Fünf Schwestern begehen im Laufe eines guten Jahres Selbstmord und werden von den Jungs aus der Nachbarschaft in dieser Zeit beobachtet. Der Bericht in wir-Form und in der Retrospektive gehalten enthält Widersprüche und Mutmaßungen, wie es in der Realität selbstverständlich wäre. Dass dieser Stil konsequent durchgehalten wird, ist definitiv ein Pluspunkt des Buches, das große Manko ist in meinen Augen jedoch, dass man kaum etwas über die Mädchen und ihre Motive erfährt. So sind zwar am Ende die Mädchen alle tot, der Leser wartet jedoch bis dahin geradezu sensationslüstern auf ihr Ableben und hat kaum eine Chance der Identifikation, so dass man mitleidslos und ohne Anteilnahme das Buch zur Seite legt und sich fragt, worin wohl die Intention des Autors bestanden haben mag.
Fazit: Keine schlechte Idee, leider keine grandiose Umsetzung.
Bewertung: **
Gefährliche Geliebte von Haruki Murakami
Nach Kafka am Strand mein zweites Buch von ihm und ebenso beeindruckend. Weniger verwirrend, weniger mystisch, aber nicht weniger gut.
In ruhigen, eindringlichen Worten erzählt Murakami von einer Liebe, die stärker ist als alle Konventionen und am Ende doch zum Scheitern verurteilt. Und doch könnte diese eine Liebe genau das sein, was den Ich-Erzähler den Wert des Lebens und seiner Ehe schätzen lässt. Alles in allem ein Buch, das nicht nacherzählt werden kann, sondern das man lesen und nachempfinden muss.
Fazit: Murakami at his best. Ein Buch, das unter die Haut geht, Fragen aufwirft, die jeder für sich beantworten muss und Trost spendet, obwohl es kein Happy End hat.
Bewertung: *****
Das Jahr des Hasen von Arto Paasilinna
Zwei Männer fahren einen Hasen an. Der eine sucht das Tier, der andere fährt unterdessen einfach weg. Fortan reist Vatanen mit dem Hasen kreuz und quer durch Finnland und erlebt dabei allerlei Skurriles. Er lebt in einer einsamen Hütte als Holzfäller, betrinkt sich inmitten eines Waldbrandes, verliert mehrfach alles, was er besitzt und kommt doch immer wieder irgendwie voran - nicht zuletzt, weil er aufgrund seines Hasen schnell einen Bonus bei den Leuten hat, denen er begegnet.
Ein Buch, das man gut mal eben so lesen kann und das, auch wenn der finnische Humor einem hin und wieder unerschlossen bleibt, Spaß macht.
Fazit: Keine weltbewegende, aber doch unterhaltsame Lektüre für zwischendurch.
Bewertung: ***
Da meine Firma gerade umzieht und wir dementsprechend heute frei haben, hab ich endlich mal ein wenig Zeit.
The Legend von Kathleen Givens
Das Buch verspricht eine geniale Verbindung von Geschichte und Romantik. Es geht um die Kampfe der Williamites gegen die Jacobites, um die Legende eines Highland-Clans und die Liebe zwischen einem Highlander und einer Lady aus dem Lowlands. Alles in allem genug Stoff für einen guten historischen Roman mit einer Prise Sex und viel Romantik.
Leider hat die Autorin ein paar der einfachsten Grundregeln des Schreibens nicht beachtet. So wird alles mit Adjektiven der Superlative zugekleistert, der Held ist groß, muskulös, sehr gut aussehend und natürlich immer heldenhaft, die Widersacher sind böse in jeder Hinsicht und alles ist romantisch überzuckert. Die Gefühle der Figuren bleiben oberflächlich, Konflikte werden sehr schnell aufgelöst und spannenden Szenen wird ihr Potential genommen, indem man die Auflösung schon mal vorausschickt.
Alles in allem eine grauenhaft vorhersehbare Geschichte, deren Überflüssigkeit auch nicht mehr vom schottischen Lokalkolorit herausgerissen werden kann - so ziemlich der einzige Grund, warum ich es überhaupt zuende gelesen habe.
Fazit: Ein Buch, das man nicht gelesen haben muss.
Wertung: *
Ich bin dann mal weg von Hape Kerkeling
Hape wandert und wandert und wandert auf dem Jakobsweg und hält sich dabei für immens witzig. Zum Ausdruck bringt er dies vor allem durch eine Überzahl an Ausrufezeichen, die wie mit einem Salzstreuer in den Text verteilt wurden, und natürlich durch jede Menge recht zweifelhaften Hape-Humors, der oft mit dem "Du musst jetzt aber lachen"-Holzhammer daherkommt. Zum einen lache ich ungern auf Kommando, zum anderne finde ich, dass das Thema des Buches nicht unbedingt voller Pointen stecken muss.
Obwohl er immer wieder betont, wie sehr seine Füße schmerzen und wie unglaublich anstrengend der Weg ist, vermittelt das Buch diesen Eindruck nicht wirklich und ich vermute, dass dies am allgemein eher flapsigen Tonfall liegt.
Hier und da begegnen einem sympathische Mitreisende und vor dem geistigen Auge entstehen Bilder, die Fernweh wecken - daran sind sicherlich nicht zuletzt auch die sparsam eingestreuten aber dafür gut gewählten Fotos Schuld.
Zum Ende hin nehmen die Ausrufezeichen ab und der ernsthafte Tonfall zu, so dass ich unterm Strich sagen kann: Gern gelesen, auch wenn das Buch nicht hält, was Freunde und Pressestimmen versprachen.
Fazit: Nette Reiselektüre, etwas zu hochgelobt.
Wertung: ***
Die Selbstmordschwestern von Jeffrey Eugenides
Fünf Schwestern begehen im Laufe eines guten Jahres Selbstmord und werden von den Jungs aus der Nachbarschaft in dieser Zeit beobachtet. Der Bericht in wir-Form und in der Retrospektive gehalten enthält Widersprüche und Mutmaßungen, wie es in der Realität selbstverständlich wäre. Dass dieser Stil konsequent durchgehalten wird, ist definitiv ein Pluspunkt des Buches, das große Manko ist in meinen Augen jedoch, dass man kaum etwas über die Mädchen und ihre Motive erfährt. So sind zwar am Ende die Mädchen alle tot, der Leser wartet jedoch bis dahin geradezu sensationslüstern auf ihr Ableben und hat kaum eine Chance der Identifikation, so dass man mitleidslos und ohne Anteilnahme das Buch zur Seite legt und sich fragt, worin wohl die Intention des Autors bestanden haben mag.
Fazit: Keine schlechte Idee, leider keine grandiose Umsetzung.
Bewertung: **
Gefährliche Geliebte von Haruki Murakami
Nach Kafka am Strand mein zweites Buch von ihm und ebenso beeindruckend. Weniger verwirrend, weniger mystisch, aber nicht weniger gut.
In ruhigen, eindringlichen Worten erzählt Murakami von einer Liebe, die stärker ist als alle Konventionen und am Ende doch zum Scheitern verurteilt. Und doch könnte diese eine Liebe genau das sein, was den Ich-Erzähler den Wert des Lebens und seiner Ehe schätzen lässt. Alles in allem ein Buch, das nicht nacherzählt werden kann, sondern das man lesen und nachempfinden muss.
Fazit: Murakami at his best. Ein Buch, das unter die Haut geht, Fragen aufwirft, die jeder für sich beantworten muss und Trost spendet, obwohl es kein Happy End hat.
Bewertung: *****
Das Jahr des Hasen von Arto Paasilinna
Zwei Männer fahren einen Hasen an. Der eine sucht das Tier, der andere fährt unterdessen einfach weg. Fortan reist Vatanen mit dem Hasen kreuz und quer durch Finnland und erlebt dabei allerlei Skurriles. Er lebt in einer einsamen Hütte als Holzfäller, betrinkt sich inmitten eines Waldbrandes, verliert mehrfach alles, was er besitzt und kommt doch immer wieder irgendwie voran - nicht zuletzt, weil er aufgrund seines Hasen schnell einen Bonus bei den Leuten hat, denen er begegnet.
Ein Buch, das man gut mal eben so lesen kann und das, auch wenn der finnische Humor einem hin und wieder unerschlossen bleibt, Spaß macht.
Fazit: Keine weltbewegende, aber doch unterhaltsame Lektüre für zwischendurch.
Bewertung: ***
Freitag, September 22, 2006
Rezension Wir müssen über Kevin reden
Normalerweise "esse" ich etwa ein Buch pro Woche. Für dieses habe ich sechs Wochen gebraucht (okay, ich habe zwei kurze Jugendromane zwischendrin gelesen, aber die verbrauchen pro Stück nur einen Tag).
Wir müssen über Kevin reden ist ein Briefroman aus der Moderne. Eva Khatchadourian schreibt an ihren Mann, in der Hoffnung, so das Unglaubliche fassen zu können, was ihr und ihrer Familie widerfahren ist. Ihr Sohn Kevin hat ein Massaker angerichtet. In der Turnhalle seiner Schule hat er zehn Menschen zusammengetrieben und erschossen, lediglich einer hat überlebt.
Um herauszufinden, wie es dazu kommen konnte, beginnt sie, in den Briefen an ihren Mann noch einmal von der Zeit vor Kevins Geburt bis zum aktuellen Tag alles zusammenzutragen, was dorthin geführt haben könnte. Kevin war kein einfaches Kind, er sah den Sinn in Dingen und Handlungen nicht und schien alles langweilig oder ermüdend zu finden, was andere aus Zerstreuung tun. Sein einziger Zeitvertreib bestand von Klein auf in der Zerstörung, in der Hervorrufung von Wut und Trauer.
Aber so einfach ist es nicht und so einfach macht auch Eva es sich nicht. Sie schildert den ungebrochenen Optimismus, mit dem Franklin, ihr Mann, an alle Probleme heranging, die es mit Kevin gab, mit dem er Evas zaghafte Kritiken vom Tisch wischte und versuchte, ihr selber ein positives Bild vom "schwierigen, pubertierenden" Sohn zu vermitteln.
Dieses Buch enthält keine allumfassenden Weisheiten darüber, wie aus Jugendlichen Massenmörder werden können, es versucht noch nicht einmal, sie zu liefern. Und genau darin liegt seine Stärke: Dieses Buch schildert einen möglichen Weg, ohne selbst für diesen einen Absolutheitsanspruch zu fordern.
Es ist kein leichtes Buch, und man sollte es nicht unbedingt vor dem Schlafen lesen - nicht, weil es so schrecklich und grausam ist, sondern viel mehr, weil einem sonst so viele Gedankengänge und feine Zwischentöne abhanden kommen.
Die erste Hälfte ist hin und wieder etwas zäh, was daran liegen mag, dass Kevin als Kleinkind zwar Rätsel aufgibt, aber noch keine wirklichen Katastrophen auslöst, doch etwa ab der Mitte zieht einen das Buch endgültig in seinen Bann. Und bis zum Ende bleiben Fragen offen, auf deren Beantwortung man als Leser brennt. Nicht alle werden bis zur Erschöpfung beantwortet, aber man erfährt alles, was man erfahren kann, und der Anteil der nicht zu beantwortenden Fragen, die übrig bleiben, sorgt dafür, dass man das Buch nicht vergisst, sondern wohl noch lange darüber nachdenken wird. Über das Buch und ganz allgemein über die Frage: Wie kann es sein, dass ein Jugendlicher so viel Hass aufbaut, dass er eine Reihe von Menschen einfach abschlachtet?
Lionel Shriver: Wir müssen über Kevin reden.
List, 2006.
ISBN: 3-471-78679-6
Wir müssen über Kevin reden ist ein Briefroman aus der Moderne. Eva Khatchadourian schreibt an ihren Mann, in der Hoffnung, so das Unglaubliche fassen zu können, was ihr und ihrer Familie widerfahren ist. Ihr Sohn Kevin hat ein Massaker angerichtet. In der Turnhalle seiner Schule hat er zehn Menschen zusammengetrieben und erschossen, lediglich einer hat überlebt.
Um herauszufinden, wie es dazu kommen konnte, beginnt sie, in den Briefen an ihren Mann noch einmal von der Zeit vor Kevins Geburt bis zum aktuellen Tag alles zusammenzutragen, was dorthin geführt haben könnte. Kevin war kein einfaches Kind, er sah den Sinn in Dingen und Handlungen nicht und schien alles langweilig oder ermüdend zu finden, was andere aus Zerstreuung tun. Sein einziger Zeitvertreib bestand von Klein auf in der Zerstörung, in der Hervorrufung von Wut und Trauer.
Aber so einfach ist es nicht und so einfach macht auch Eva es sich nicht. Sie schildert den ungebrochenen Optimismus, mit dem Franklin, ihr Mann, an alle Probleme heranging, die es mit Kevin gab, mit dem er Evas zaghafte Kritiken vom Tisch wischte und versuchte, ihr selber ein positives Bild vom "schwierigen, pubertierenden" Sohn zu vermitteln.
Dieses Buch enthält keine allumfassenden Weisheiten darüber, wie aus Jugendlichen Massenmörder werden können, es versucht noch nicht einmal, sie zu liefern. Und genau darin liegt seine Stärke: Dieses Buch schildert einen möglichen Weg, ohne selbst für diesen einen Absolutheitsanspruch zu fordern.
Es ist kein leichtes Buch, und man sollte es nicht unbedingt vor dem Schlafen lesen - nicht, weil es so schrecklich und grausam ist, sondern viel mehr, weil einem sonst so viele Gedankengänge und feine Zwischentöne abhanden kommen.
Die erste Hälfte ist hin und wieder etwas zäh, was daran liegen mag, dass Kevin als Kleinkind zwar Rätsel aufgibt, aber noch keine wirklichen Katastrophen auslöst, doch etwa ab der Mitte zieht einen das Buch endgültig in seinen Bann. Und bis zum Ende bleiben Fragen offen, auf deren Beantwortung man als Leser brennt. Nicht alle werden bis zur Erschöpfung beantwortet, aber man erfährt alles, was man erfahren kann, und der Anteil der nicht zu beantwortenden Fragen, die übrig bleiben, sorgt dafür, dass man das Buch nicht vergisst, sondern wohl noch lange darüber nachdenken wird. Über das Buch und ganz allgemein über die Frage: Wie kann es sein, dass ein Jugendlicher so viel Hass aufbaut, dass er eine Reihe von Menschen einfach abschlachtet?
Lionel Shriver: Wir müssen über Kevin reden.
List, 2006.
ISBN: 3-471-78679-6
Samstag, Juni 17, 2006
Rezension Die 27. Stadt
Das Buch fiel mir auf, weil es in schwarz-weiß gehalten war wie sein Bruder, Die Korrekturen, welches ich begeistert verschlungen hatte. Der Klappentext las sich zwar anders, aber ich dachte mir, dass selbst ein Krimi aus der Feder von Jonathan Franzen nicht verkehrt sein kann. Nicht falsch verstehen: Ich mag Krimis. Aber sie sind für mich eher Häppchen für Zwischendurch, von Herrn Franzen erwarte ich mehr Tiefe als von einem Krimi.
Nun gut. Ich bezahle also €9,90 für ein ca 700 Seiten starkes Taschenbuch und finde nicht, dass das zu viel wäre.
Und dann beginne ich zu lesen.
Und gebe nach 150 Seiten auf.
Ich habe weder eine einzige der Figuren näher kennengelernt, noch herausgefunden, worum es gehen soll. Korruption, okay. Aber wenn ich nach 150 Seiten noch nicht den Hauch einer Ahnung habe, ob die Polizeichefin nun korrupt ist oder dagegen vorgeht, dann kann ich sie auch noch immer nicht einer Position in der Geschichte zuordnen, was sehr hinderlich ist.
Zudem gibt es unglaublich viele Personen, aber keine Hauptperson, keinen roten Faden. Dinge werden angedeutet und dann verschwinden sie einfach. Vielleicht taucht der Faden auf Seite 347 wieder auf, aber da ich bis dahin 20 offene Handlungsfäden haben werde (oder jetzt schon habe?), möchte ich nicht bis dorthin warten.
FAZIT:
Erstlingswerke/Frühwerke sind nicht immer gut. Franzen beginnt man am Besten mit den Korrekturen und freut sich über eine wunderbar komponierte Familiensaga, leicht wie ein Glas Sekt und dennoch voller Tiefe wie ein reifer Rotwein.
Für alle, die sich dennoch an der 27. Stadt versuchen wollen, reiche ich morgen die Daten nach, jetzt mag ich nicht mehr aus dem Bett.
Nun gut. Ich bezahle also €9,90 für ein ca 700 Seiten starkes Taschenbuch und finde nicht, dass das zu viel wäre.
Und dann beginne ich zu lesen.
Und gebe nach 150 Seiten auf.
Ich habe weder eine einzige der Figuren näher kennengelernt, noch herausgefunden, worum es gehen soll. Korruption, okay. Aber wenn ich nach 150 Seiten noch nicht den Hauch einer Ahnung habe, ob die Polizeichefin nun korrupt ist oder dagegen vorgeht, dann kann ich sie auch noch immer nicht einer Position in der Geschichte zuordnen, was sehr hinderlich ist.
Zudem gibt es unglaublich viele Personen, aber keine Hauptperson, keinen roten Faden. Dinge werden angedeutet und dann verschwinden sie einfach. Vielleicht taucht der Faden auf Seite 347 wieder auf, aber da ich bis dahin 20 offene Handlungsfäden haben werde (oder jetzt schon habe?), möchte ich nicht bis dorthin warten.
FAZIT:
Erstlingswerke/Frühwerke sind nicht immer gut. Franzen beginnt man am Besten mit den Korrekturen und freut sich über eine wunderbar komponierte Familiensaga, leicht wie ein Glas Sekt und dennoch voller Tiefe wie ein reifer Rotwein.
Für alle, die sich dennoch an der 27. Stadt versuchen wollen, reiche ich morgen die Daten nach, jetzt mag ich nicht mehr aus dem Bett.
Mittwoch, März 15, 2006
Rezension Simulacra
Philip K. Dick gilt als Klassiker der SF-Literatur. Das ist er wohl auch, allerdings habe ich wohl in mancher Hinsicht einen anderen Anspruch an Literatur als Mr. Dick und seine Anhängerschaft - vielleicht habe ich einfach nicht verstanden, dass SF per definitionem immer toll ist und daher nicht auf sprachliche und logische einheit geachtet werden muss.
Zunächst fiel mir auf, dass es eine Einteilung der Menschen in zwei Kategorien gibt, Bes und Ges. Hier sagt mein Gehirn laut und deutlich "aha, kenne ich von Aldous Huxley!" - anscheinend war also die Klassenteilung eines der Grundthemen der SF, oder zumindest eines, das von unterschiedlichen Autoren als wahrscheinlich erachtet und somit auch aufgegriffen wurde.
Was mir nicht plausibel erschien, war die krasse "Verdummung" der Bes. Da ist seit 70 Jahren ein hübsche junge Frau an der Regierungsspitze, und keinem fällt auf, dass sie eigentlich längst vergreist sein müsste? Wohl kaum, wenn nicht gerade eine tiefgreifende psychische Manipulation vorgenommen wird, die allerdings keine Erwähnung findet.
Bleiben wir gleich mal bei der Dame, Nicole Thibodeaux. Auf der einen Seite heißt es, die Welt lebe in einem Matriarchat, auf der anderen Seite sieht der Leser, dass sie nur eine Marionette des Rates ist. Dafür wiederum hat sie erstaunliche Befugnisse, denn sie darf einstellen und entlassen und Entscheidungen treffen, ganz, wie es ihr gefällt. Das erscheint mir weit über die Kompetenzen einer Schauspielerin hinauszugehen.
Besonders schwer fiel es mir, die männlichen Figuren auseinanderzuhalten. Meistens tauchen sie als Zweiergruppen auf, aber irgendwie gibt es keine wesentlichen Unterscheidungsmerkmale. Schade, denn so nehme ich als Leser auch nicht teil an ihrem schicksal sondern bleibe distanzierter Beobachter.
Die titelgebenden Simulacra, künstliche Menschen, spielen eine erstaunlich geringe Rolle. Zwar werden sie den Auswanderern auf den Mars als neue Nachbarn mitgegeben (und werfen gleich eine neue Frage auf: Warum um alles in der Welt werden dort keine zusammeenhängenden Kolonien gegründet?), aber auf der Erde finden sie kaum Erwähnung. Dass dann wiederum der Präsident ein Simulacrum ist und ausgerechnet diese Nachricht die Welt erschüttert, kam mir zu überstürzt daher.
die Menschen nutzen ständig das Element der Zeitreise, um Prognosen anzustellen, im entscheidenden Moment versagt diese Methode aber natürlich. Überhaupt ist es doch sehr vereinfacht, zu sagen, ein Mensch, der ständig durch die Zeiten reist, sei unsterblich, da er ja einfach aus einer anderen Zeitebene wiederkommen könne, wenn er einmal tot ist - und dann wird er einfach erschossen? Seltsam unausgegoren, meine ich.
Überhaupt habe ich das Gefühl, Philip K. Dick hat eine Menge interessanter Ideen als Versatzstücke zusammengeschustert und das Ergebnis unkontrolliert auf seine Leser losgelassen. Die Figuren denken sich hochkomplizierte Methoden aus, um etwas zu erreichen, und sobald ihnen jemand sagt, er wisse, was los ist, knicken sie alle ein. Nicole gibt zu, eine Schauspielerin namens Kate zu sein, der Auftraggeber gibt sich Dr. Superb zu erkennen und Goltz lässt sich einfach so erschießen, weil er glaubte, dieser Fall sei sehr unwahrscheinlich. Vor allem der Rest des Rates benimmt sich statisch, kein entsetzen, kein Jammern, keine Panik - sie lassen sich einfach abschlachten wie die Opferlämmer. Sehr unwahrscheinlich.
Goltz: Auf der einen Seite ist er Regierungsmitglied, auf der anderen Seite Anfüherer einer Bewegung, die gegen die Regierung arbeitet. Hä?!
Dann ist da noch Kongrosian, der irgendwie skurril ist aber keinen tieferen Sinn zu haben scheint. Nett, aber sonst?
Fazit:
Selbst unter Berücksichtigung der Tatsache, dass der Roman Anfang der 60er Jahre geschrieben wurde, ist er schwach. Es fehlt ihm an stringenten Figuren, logischer Handlung und einer Aussage.
Angaben zu ISBN etc. folgen.
Zunächst fiel mir auf, dass es eine Einteilung der Menschen in zwei Kategorien gibt, Bes und Ges. Hier sagt mein Gehirn laut und deutlich "aha, kenne ich von Aldous Huxley!" - anscheinend war also die Klassenteilung eines der Grundthemen der SF, oder zumindest eines, das von unterschiedlichen Autoren als wahrscheinlich erachtet und somit auch aufgegriffen wurde.
Was mir nicht plausibel erschien, war die krasse "Verdummung" der Bes. Da ist seit 70 Jahren ein hübsche junge Frau an der Regierungsspitze, und keinem fällt auf, dass sie eigentlich längst vergreist sein müsste? Wohl kaum, wenn nicht gerade eine tiefgreifende psychische Manipulation vorgenommen wird, die allerdings keine Erwähnung findet.
Bleiben wir gleich mal bei der Dame, Nicole Thibodeaux. Auf der einen Seite heißt es, die Welt lebe in einem Matriarchat, auf der anderen Seite sieht der Leser, dass sie nur eine Marionette des Rates ist. Dafür wiederum hat sie erstaunliche Befugnisse, denn sie darf einstellen und entlassen und Entscheidungen treffen, ganz, wie es ihr gefällt. Das erscheint mir weit über die Kompetenzen einer Schauspielerin hinauszugehen.
Besonders schwer fiel es mir, die männlichen Figuren auseinanderzuhalten. Meistens tauchen sie als Zweiergruppen auf, aber irgendwie gibt es keine wesentlichen Unterscheidungsmerkmale. Schade, denn so nehme ich als Leser auch nicht teil an ihrem schicksal sondern bleibe distanzierter Beobachter.
Die titelgebenden Simulacra, künstliche Menschen, spielen eine erstaunlich geringe Rolle. Zwar werden sie den Auswanderern auf den Mars als neue Nachbarn mitgegeben (und werfen gleich eine neue Frage auf: Warum um alles in der Welt werden dort keine zusammeenhängenden Kolonien gegründet?), aber auf der Erde finden sie kaum Erwähnung. Dass dann wiederum der Präsident ein Simulacrum ist und ausgerechnet diese Nachricht die Welt erschüttert, kam mir zu überstürzt daher.
die Menschen nutzen ständig das Element der Zeitreise, um Prognosen anzustellen, im entscheidenden Moment versagt diese Methode aber natürlich. Überhaupt ist es doch sehr vereinfacht, zu sagen, ein Mensch, der ständig durch die Zeiten reist, sei unsterblich, da er ja einfach aus einer anderen Zeitebene wiederkommen könne, wenn er einmal tot ist - und dann wird er einfach erschossen? Seltsam unausgegoren, meine ich.
Überhaupt habe ich das Gefühl, Philip K. Dick hat eine Menge interessanter Ideen als Versatzstücke zusammengeschustert und das Ergebnis unkontrolliert auf seine Leser losgelassen. Die Figuren denken sich hochkomplizierte Methoden aus, um etwas zu erreichen, und sobald ihnen jemand sagt, er wisse, was los ist, knicken sie alle ein. Nicole gibt zu, eine Schauspielerin namens Kate zu sein, der Auftraggeber gibt sich Dr. Superb zu erkennen und Goltz lässt sich einfach so erschießen, weil er glaubte, dieser Fall sei sehr unwahrscheinlich. Vor allem der Rest des Rates benimmt sich statisch, kein entsetzen, kein Jammern, keine Panik - sie lassen sich einfach abschlachten wie die Opferlämmer. Sehr unwahrscheinlich.
Goltz: Auf der einen Seite ist er Regierungsmitglied, auf der anderen Seite Anfüherer einer Bewegung, die gegen die Regierung arbeitet. Hä?!
Dann ist da noch Kongrosian, der irgendwie skurril ist aber keinen tieferen Sinn zu haben scheint. Nett, aber sonst?
Fazit:
Selbst unter Berücksichtigung der Tatsache, dass der Roman Anfang der 60er Jahre geschrieben wurde, ist er schwach. Es fehlt ihm an stringenten Figuren, logischer Handlung und einer Aussage.
Angaben zu ISBN etc. folgen.
Mittwoch, März 08, 2006
Rezension Das Buch der Illusionen
Ich lese endlich mal wieder genug. Seit Anfang des Jahres im Schnitt ein Buch pro Woche, mal etwas mehr, mal etweas weniger. Ohne WoW wären es vemrutlich zwei, aber man kann ja nicht alles haben.
Da niemand alles lesen kann, was auf dieser Welt geschrieben wurde (diese Erkenntnis traf mich im zarten Alter von etwas über zehn Jahren reichlich unvorbereitet und äußerst hart), werde ich ab sofort das eine oder andere Buch hier vorstellen, um dem einen oder anderen eine Hilfe geben zu können, was lesenwert ist und was vielleicht weniger.
Beginnen wir also mit Paul Auster: Das Buch der Illusionen:
Paul Auster war mir bisher als Meister des Verwirrspiels bekannt, als Autor mit einem sehr besonderen Blick auf die Welt. Gerade angesichts des Titels war ich dementsprechend auf alles gefasst, auch darauf, am Ende mit einem großen Fragezeichen dazustehen oder mittendrin entnervt das Buch aus der Hand zu legen.
Aber nein, nichts dergleichen.
Der Protagonist David Zimmer verliert durch einen Flugzeugabsturz seine Frau und zwei Kinder. Dieses Ereignis stürzt ihn in eine Lethargie, aus der er sich selbst kaum befreien kann. Erst, als er zufällig beim Zappen an einem Film Hector Manns hängenbleibt, ändert sich seine Weltsicht wieder zum Positiven.
Hector Mann, ein fast vergessener Stummfilmkomiker aus den Zwanzigern, verschwand auf mysteriöse Weise kurz nach dem Ende der Dreharbeiten zu seinem letzten Film. Auch die Filme waren Jahrzehnte verschollen und sind nun, in den Achtzigern, an verschiedenen Orten in der gesamten westlichen Welt aufgetaucht, zwölf an der Zahl.
David beschließet, sie alle anzusehen und ein Buch darüber zu schreiben. Er reist durch die USA und Europa, seziert jeden einzelnen Film und wird für das entstandene Werk von der Filmszene hoch gelobt.
Eines Tages bekommt er einen Brief, in dem eine Frau behauptet, Hector sei noch am Leben und sie seine Ehefrau. Er gibt nicht viel darauf, doch als sie hartnäckig bleibt und ihn einlädt, sie zu besuchen, wird er hellhörig. Dennoch muss erst eine junge Frau mit einem Revolver bei ihm auftauchen, um ihn wirklich nach New Mexico zu verfrachten.
Hier endlich trifft er den längst tot geglaubten Hector Mann und macht die ENtdeckung, dass er sich nicht so weit vom Filmgeschäft abgewandt hat, wie man glauben sollte. Doch ehe er Zeit hat, alles in Ruhe anzuschauen, überstürzen sich die Ereignisse, und am Ende steht er mit leereren Händen da als zu Beginn.
Der Roman spielt mit den Möglichkeiten, die sich ergeben und weider zerrinnen, er weckt Hoffnungen und zerstört sie fast im gleichen Moment wieder, und doch steht am Ende ein Mensch, der an seinem Leid und den Absurditäten des Lebens gereift ist und eine Hoffnung in sich trägt, die ihm seine Freude und seinen Lebensmut zurückgibt.
Zunächst hatte ich leichte Startschwierigkeiten, doch je weiter ich gekommen bin, desto tiefer hat mich das Buch in seinen Bann gezogen, und während der letzten 100 Seiten musste ich mich zwingen, auch mal zu schlafen. Die Geschichte lebt von den ruhigen Tönen, von der erzählerischen Dichte und einer wunderbaren schöpferischen Kraft, vom Ideenreichtum und der Stille, die zwischen den Zeilen liegt und jeder der Figuren auf unterschiedliche Art zueigen ist.
Ich habe es gerne gelesen und kann es allen empfehlen, die sich gerne überraschen lassen, die weder Slapstick noch Knalleffekte brauchen und die gerne mit einem guten Buch gemütlich auf der couch sitzen (oder im Bus oder der Bahn oder wo auch immer man eben am liebsten liest).
Auster, Paul: Das Buch der Illusionen. rororo Taschebuch
ISBN 3-499-23526-9, €9,90
Da niemand alles lesen kann, was auf dieser Welt geschrieben wurde (diese Erkenntnis traf mich im zarten Alter von etwas über zehn Jahren reichlich unvorbereitet und äußerst hart), werde ich ab sofort das eine oder andere Buch hier vorstellen, um dem einen oder anderen eine Hilfe geben zu können, was lesenwert ist und was vielleicht weniger.
Beginnen wir also mit Paul Auster: Das Buch der Illusionen:
Paul Auster war mir bisher als Meister des Verwirrspiels bekannt, als Autor mit einem sehr besonderen Blick auf die Welt. Gerade angesichts des Titels war ich dementsprechend auf alles gefasst, auch darauf, am Ende mit einem großen Fragezeichen dazustehen oder mittendrin entnervt das Buch aus der Hand zu legen.
Aber nein, nichts dergleichen.
Der Protagonist David Zimmer verliert durch einen Flugzeugabsturz seine Frau und zwei Kinder. Dieses Ereignis stürzt ihn in eine Lethargie, aus der er sich selbst kaum befreien kann. Erst, als er zufällig beim Zappen an einem Film Hector Manns hängenbleibt, ändert sich seine Weltsicht wieder zum Positiven.
Hector Mann, ein fast vergessener Stummfilmkomiker aus den Zwanzigern, verschwand auf mysteriöse Weise kurz nach dem Ende der Dreharbeiten zu seinem letzten Film. Auch die Filme waren Jahrzehnte verschollen und sind nun, in den Achtzigern, an verschiedenen Orten in der gesamten westlichen Welt aufgetaucht, zwölf an der Zahl.
David beschließet, sie alle anzusehen und ein Buch darüber zu schreiben. Er reist durch die USA und Europa, seziert jeden einzelnen Film und wird für das entstandene Werk von der Filmszene hoch gelobt.
Eines Tages bekommt er einen Brief, in dem eine Frau behauptet, Hector sei noch am Leben und sie seine Ehefrau. Er gibt nicht viel darauf, doch als sie hartnäckig bleibt und ihn einlädt, sie zu besuchen, wird er hellhörig. Dennoch muss erst eine junge Frau mit einem Revolver bei ihm auftauchen, um ihn wirklich nach New Mexico zu verfrachten.
Hier endlich trifft er den längst tot geglaubten Hector Mann und macht die ENtdeckung, dass er sich nicht so weit vom Filmgeschäft abgewandt hat, wie man glauben sollte. Doch ehe er Zeit hat, alles in Ruhe anzuschauen, überstürzen sich die Ereignisse, und am Ende steht er mit leereren Händen da als zu Beginn.
Der Roman spielt mit den Möglichkeiten, die sich ergeben und weider zerrinnen, er weckt Hoffnungen und zerstört sie fast im gleichen Moment wieder, und doch steht am Ende ein Mensch, der an seinem Leid und den Absurditäten des Lebens gereift ist und eine Hoffnung in sich trägt, die ihm seine Freude und seinen Lebensmut zurückgibt.
Zunächst hatte ich leichte Startschwierigkeiten, doch je weiter ich gekommen bin, desto tiefer hat mich das Buch in seinen Bann gezogen, und während der letzten 100 Seiten musste ich mich zwingen, auch mal zu schlafen. Die Geschichte lebt von den ruhigen Tönen, von der erzählerischen Dichte und einer wunderbaren schöpferischen Kraft, vom Ideenreichtum und der Stille, die zwischen den Zeilen liegt und jeder der Figuren auf unterschiedliche Art zueigen ist.
Ich habe es gerne gelesen und kann es allen empfehlen, die sich gerne überraschen lassen, die weder Slapstick noch Knalleffekte brauchen und die gerne mit einem guten Buch gemütlich auf der couch sitzen (oder im Bus oder der Bahn oder wo auch immer man eben am liebsten liest).
Auster, Paul: Das Buch der Illusionen. rororo Taschebuch
ISBN 3-499-23526-9, €9,90
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